Kinderportraits sind immer eine Herausforderung. Obwohl die Kleinen zumeist gern posieren, muss man jedes Mal ganz genau hinschauen, um die individuellen Züge und Charaktere hinter den sensiblen Gesichtern zu erfassen. Dafür lohnt es sich immer, etwas länger hinzusehen und mit viel Sorgfalt mehrere oder oft auch eine ganze Menge spontaner Skizzen anzufertigen, auch wenn man später viele davon wieder verwirft.  Ich versuche stets, mich den Kleinen sozusagen auf Augenhöhe zu nähern. Auch die Linien und Farbfelder gilt es, im voraus zu planen. Für meine Portraits habe ich kein durchgängiges Bildkonzept, dieses entwickelt sich zumeist während der  Entwürfe instinktiv “ aus dem Bauch heraus“, wie man so schön sagt. Nach Möglichkeit spiele ich gern ein wenig mit meinen Zeichnungen, indem ich die Kinder zum Beispiel mit Gegenständen aus ihrem Lebensumfeld darstelle, mit ihrem Lieblingsspielzeug oder indem ich sie auch mal in eine  Phantasielandschaft platziere, so wie hier in eine Art poetischen Märchenwald mit stilisiertem Hirsch, Bäumen und dicken Lianen oder Schlangen ( angelehnt an das russische Märchen „Der Hirsch mit dem goldenen Geweih“).  Dadurch werden in der Gesamtheit scheinbar einfache, gewöhnliche Motive  zu komplexen, phantasievollen Bildlandschaften ( zur Großansicht bitte auf das Bild klicken).

Wer jetzt mag, der kann sich hier gerne noch weitere meiner Kinderportraits anschauen. Dafür einfach  in der rechten Spalte „Kategorien“ auf die Auswahl „Kinder“ klicken. Und wer gern ein gezeichnetes Portrait von seinem Kind haben möchte, schreibt mir ganz einfach eine mail.

John Peel und ich haben eine Geschichte. Die fing an in einem Sommer in den frühen 70er Jahren, als ich einen Teil meiner Sommerferien in den Niederlanden verbrachte. Damals kannte ich John Peel noch nicht. Hätte ich John Peel bereits gekannt, ich hätte immerzu BBC gehört. Das tat ich dann ab jener heißen Julinacht, in der ich mein beim Fahrradfahren verletztes Knie mit Eiswürfeln in einem Gefrierbeutel kühlte. Draußen grummelte ferner Donner, während ich mit einer kleinen Lampe auf der Ausziehcouch meines holländischen Freundes lag. Eine typisch holländische Wohnung in Amsterdam war das, mit gefühlten 93 Treppen und winzigen Durchgangszimmern, aus denen man auf die Gracht schauen konnte. Das war irgendwie so, jede Wohnung in Amsterdam hatte Durchgangszimmer – worum es hier aber nicht gehen soll. (weiterlesen…)

Manchmal kauft man sich Bücher, die jemand anderer schon mal für jemand anderen  gekauft hat. Und wenn man diese dann aufschlägt, bricht es einem fast das Herz, weil man sich fragt, was passiert sein muss, dass der/die Beschenkte dieses Buch auf einem trödeligen Bücherflohmarkt für ein paar Cent zum Verkauf bereit stellt.

Einer meiner liebsten Songs von Bob Dylan ist seit jeher „My Back Pages“. Dieser Song entstand 1964 und hat meiner bescheidenen Meinung nach bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Jedes Jahr an meinem Geburtstag im Januar sage ich mir: „Ah, but I was so much older then, I`m younger than that now….” Darum habe ich mir überlegt, dieses Portrait ( zur Großansicht bitte in das Bild klicken)  in eine ruhige und stille „Winterlandschaft“ zu setzen und auch nur ganz wenige sanfte und matte Farben zu verwenden.

Die besondere Atmosphäre in diesem Song mit einem Portrait des jungen Bob Dylan zusammen zu bringen, war für mich wieder einmal eine besonders verlockende Herausforderung. Zuerst habe ich meine Ideen hierzu in einige Skizzen umgesetzt, um die Person und die sie umgebenden Elemente sicher zu platzieren und die richtigen Proportionen zu finden. Man darf nicht vergessen, dass jedes Porträt schon gleich von Beginn an ein gewissenhaftes und systematisches Arbeiten erfordert. Dabei ist es wichtig, auch die Lage und Größe der Details zu beachten, hier z.B. das Muster des winterlichen, dicken Strickpullovers oder die blattlosen Zweige der Bäume, die gegen die dunkle Nacht leuchten. Ganz besonders lege ich auch immer Wert auf die farbige Darstellung der Haut, denn diese muss meiner Meinung nach so klar und frisch wie möglich sein. Man darf nicht den Fehler machen, die Farbe zu dick aufzutragen, denn dadurch wirkt die Haut schmutzig und fahl. Hier habe ich sehr feine und transparente Pastellkreide benutzt, die ein subtiles Reflektieren des darunter liegenden Papiers erlaubt, wodurch der Haut ein schöner Schimmer verliehen wird. So beginne ich immer mit einem ganz leichten und zarten Farbton, der dann schrittweise von etwas intensiveren Farben überlagert wird. Ich beobachte beim Zeichnen ständig den Eindruck und die Stimmung des gesamten Bildes, während ich überlege, welche Lichtstellen und hellen Bereiche so bleiben können, wie sie sind, und in welcher Intensität ich die dunkleren und dunkelsten Schattierungen gestalten möchte.

Bob Dylan`s Porträt ist 40 x 50 cm groß, hat ein helles, strukturiertes Passepartout und wird vervollständigt mit einem schmalen schwarzen Rahmen. Und wer sich jetzt gern noch weitere meiner Porträt`s von Bob Dylan anschauen möchte, der kann dann bitte mal ganz oben auf die Registerkarte „Portfolio“ klicken.

Ein Weltmusik-Festival? Ach-du-liebe-Güte. Nee…Weltmusik? Sag mal, ist das nicht Pan-Flöten-Terror, Didgeridoogebrumme und Windspielgeklingel? Und entrückte Mönchsgesänge zur Klangschalen-Kakophonie für meditierende Weltverbesserer oder indianische Trommelmusik im Ausdruckstanz-Seminar?

Ja, sicher, die Weltmusikschublade quietscht beim Öffnen immer ein bisschen, ziemlich schwer wiegen die Vorurteile, wer aber vorbehaltlos neugierig darin herumwühlt, findet schnell die neuen, spannenden Ausdrucksweisen derselben. Und wenn, wie hier, auf dem größten Umsonst-und-draußen-Weltmusikfestival in Deutschland, dem mittlerweile 35. Barden-Festival in Nürnberg nicht nur monothematisches geboten wird, sondern der Besucher mit einem wunderbaren Reigen an faszinierenden, fluoresizierenden Musikwerken konfrontiert wird, so erweitert es den Fachgebiets-Horizont doch ungemein und verschönert das Leben allgemein ganz vorzüglich. (weiterlesen…)

Da ich nicht so viel Platz in meiner Wohnung habe, geschweige denn ein weitläufiges Atelier mein eigen nennen darf, entstehen meine Bilder und Portraits an meinem großen, alten Kulissentisch. Gut, er ist nicht mehr der Jüngste, trägt so ungefähr hundertdreißig Jahre auf dem Buckel, bzw. der Tischplatte, aber egal. Jedenfalls ist darauf genug Platz, um  während des Skizzierens, Entwerfens,  Planens und Umsetzens in immer wieder neue, spannende Abenteuer abtauchen zu können und dabei ein kleines Stückchen Paradies zu finden, während sich die Welt draußen weiter dreht. Im Verlauf des teils langsamen Prozesses der Annäherung an das Motiv sitze ich voller Tatendrang auf  einem Armlehnstuhl aus den 20er Jahren.

Manchmal allerdings zeichne ich auch im Stehen, während das Blatt vor mir horizontal auf dem Tisch ausgebreitet ist.  Es kann auch sein, dass ich mich auf den Boden hocke und das Papier eben dort hinlege, so dass ich selbst meine Zeichnung gleichsam aus der Vogelschau sehe.  Auch nicht schlecht.  Warum und weshalb ich das tue, ist müßig zu fragen. Tja, insgesamt ist es, als würde ich in einen fiktiven, gedanklichen Dialog mit diesem Menschen, dessen Portrait gerade entsteht, treten. Manchmal in Begleitung einer Tasse Kaffee oder eines Glases Wein. In diesem zeichnerischen Tun, in diesem, sagen wir mal Zwiegespräch, bin ich ganz bei mir, ich lasse mich leiten vom bildnerischen Prozess, schalte sozusagen meinen Kopf aus. Und dass ich bei einem zu portraitierenden Musiker/Musikerin dazu dann die jeweilige Musik in meinem  Player auf repeat laufen lasse, versteht sich von selbst.

Hier auf dem Foto ist übrigens der fertige Entwurf, die ausgearbeitete Skizze des Portraits von Glen Hansard zu sehen. Wie ich diese detaillierte Vorzeichnung dann in ein Portrait umgesetzt habe, das kann man dann bald hier auch noch lesen ( jetzt aber auch schon oben im Register „Portfolio“ anschauen).

Je schneller die Zeit vergeht, desto seltener werden die Gelegenheiten, alte Freunde zu treffen. Und umso seltener diese Gelegenheiten werden, desto öfter nimmt man auch in Kauf, die eine oder andere auszulassen.
Bis es dann so weit ist, dass Freunde, mit denen man irgendwann mal Jahre verbrachte, Bekannte werden, die man ab und zu mal gerne trifft, an deren Leben man aber nicht mehr teilnimmt.
Man weiß nicht mehr genau, wann es passiert ist, dass sich die Wege getrennt haben. Was passiert ist, dass sich die Leben getrennt haben.
Die Ideen, die Pläne, die man zusammen gehabt hat, die Konzerte, die Musik, zu der man zusammen getanzt und gejubelt hat, die Nächte, die man sich redend und diskutierend um die Ohren geschlagen hat und die gemeinsamen Sommer sind weg. Andere Menschen haben freie Stellen eingenommen. Hier oder dort haben Pragmatismus, Ruhe und Umsicht die freien Plätze von Leichtsinn, Rastlosigkeit und Schlaflosigkeit eingenommen.
Dennoch, manchmal bleiben einem diese Menschen. Und bei jeder neuen Gelegenheit, bei der man sicht trifft, spürt man es, nämlich dass sich nur die Zeit geändert hat. Dass man noch immer befreundet ist und sich gerne in die Augen sieht.

Dass einem einfach nur das Leben dazwischen gekommen ist.

Nightswimming ...

Immer, wenn bei mir etwas „dran“, sprich „an der Reihe“  ist, hat es den ersten Stellenwert. Das impliziert natürlich auch, dass ich z.B. meine Portrait-Ideen schon zum Teil ziemlich lange mit oder in mir herumtrage, sie sich auch eine Zeitlang überlagern und entwickeln lasse, bis sie dann eines Tages in der Tat „dran“ sind. Einfach so. Wie hier zum Beispiel das Portrait von Nora ( zur Großansicht bitte auf das Bild klicken).  Lange habe ich überlegt, wie und womit ich ausdrücken kann, dass man in diesem Portrait nicht nur das sieht, was das Auge sieht. So wie man in einem Song nicht nur die Abfolge von Noten hört oder in einem Buch nicht nur die Worte liest. Denn die Zeichnung ist ein Medium, das über eine Präzision verfügt, dass eine Bestimmtheit und Klarheit ausdrücken kann und die sogar ihre Wirkung und ihre Bedeutung steuern kann. Strich für Strich für Strich. Eine Möglichkeit für Wunder, Abenteuer und Überraschungen. Und dann ist es auch egal, wie lange es noch dauert mit dem Bild und wann man damit fertig ist. Ich vergesse die Zeit dabei, wenn ich aus meiner Papiersammlung das einzig richtige leere Blatt aussuche, die genau für diesen Zweck perfekten Farben zusammen stelle und die Ideen in meinem Kopf mit meinen Entwürfen auf dem Skizzenpapier zusammenbringe. Ja, ich kann mich sehr schlecht halbieren, indem ich, wenn ich die eine Arbeit mache, an eine andere denke. Meine diesbezügliche Lebensmaxime ist im Grunde recht simpel: Jede Arbeit, die ich mache, versuche ich so gut zu machen, wie ich kann. Und sie muss innerlich fundamentiert sein, denn sonst arbeite ich im luftleeren Raum.

Nora`s Portrait ist 30 x 40 cm groß, hat ein fein strukturiertes Passepartout in mattweiss und dazu einen schmalen weißen Rahmen.

Nichts stimmt nicht....

Man sitzt im Auto auf dem Weg irgendwohin. Und die Zeit ist ausgeschnitten. Vergangenheit und Zukunft setzen sich dahinter und davor, denn die Gegenwart besteht jetzt nur aus dem Geradeaus. Und aus der Musik ( bitte unten auf den Clip klicken), die soeben läuft.  Aus dem Autositz, dem Gefühl der kühlen Fensterscheibe an der Stirn und den hohen Roggenfeldern, die draußen ruhig vorbeiziehen. Das Jetzt wird auf solchen Fahrten auf einen Kleinstwert reduziert, man ist nicht beschäftigt, z.B. mit Arbeiten, Konzepte aufstellen, mit zupacken, essen, sich verabreden. Die Dinge sind auf wenigen Raum beschränkt, die Mittel begrenzt. Aber gleichzeitig wird der Kopf weit und groß und macht Platz für die Gedanken, die man sonst nebenbei gerne liegen lässt, unter den Teppich kehrt, beiseite schiebt und immer wieder schnell in die Tasche steckt, weil man ohne sie nicht kann, aber auch keine Zeit hat, sie genau zu betrachten.  Es ist jetzt Gelegenheit dazu, sie anzusehen, einzusehen und loszulassen.  Es ist jetzt Platz für Fragen und Wehmut.  Es ist jetzt Zeit, sich die Songs genau anzuhören. Überhaupt ist das Zeit für Musik, die berühren darf.

Und dann ist es wie ein bisschen weg von sich, aber doch näher bei sich selbst. Den Kopf nach hinten gelehnt, den Blick sowohl zurück als auch nach vorn. Die stete Bewegung und das Voran der Dinge, das sich nicht aufhalten lässt, wie ein Bild vor den Augen.  Sieh nicht zurück, sagte mir schon so mancher.
Aber hinter uns geht gigantisch die Sonne unter. Hinter uns liegt das Meer.

Per sempre e te

Was zählt …

Wo man gerade ist und wo man viel lieber sein würde;  an wen man stets denkt und wen man lieber vergisst;  was man alles getan hat und wer davon weiss;  was man noch tun will und worüber man spricht;  wem man den letzten Kuss gab und wem den ersten;  wo man schon überall war und wo man womöglich niemals hinkommen wird;  die letzte Niederlage und wie es ist, zu gewinnen;  wer einen hält und wen man fallen lässt;  wo man gut schläft und wann man die Augen besser nicht schliesst;  als man das letzte Mal Angst hatte und als sie vorbei ging;  der letzte Mojito, die ersten Himbeeren;  wenn man vor Lachen weint und wenn die Tränen einen krümmen;  warum man rennt, wofür man bleibt, weshalb man immer wieder probiert und weshalb man nicht vergisst.  Was man bereut und was man über Bord wirft;  wohin man unterwegs ist und bei wem man stehen bleibt;  warum man sucht, weshalb man hofft, wovon man träumt.

Alles zählt.

Nur für jeden anders.

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